Du Li Zhuang 独立桩
Warum auf einem Bein
Die Kampfstände (Ji Ji Zhuang) haben einen gemeinsamen Zweck: Die Hun Yuan Li soll nicht nur im bequemen, breiten Stand verfügbar sein, sondern in jeder Lage. Du Li Zhuang (独立桩, „frei stehender Pfahl") treibt das am weitesten. Das Standbein trägt allein, das Spielbein hängt in der Luft — und trotzdem wird dieselbe Kraft gesucht wie im zweibeinigen Hunyuan Zhuang. Die Gliedmaßen arbeiten hier weiter vom Körper weg, der Gleichgewichtssinn ist ständig gefordert. Was im breiten Stand verborgen bleiben kann — ein Rest Spannung, eine Kraft, die nur aus einer Richtung kommt —, wird auf einem Bein sofort sichtbar.
Woran man sich hält
Für den Anfang helfen drei Bezugspunkte:
- Das Gesäß sitzt wie auf einem hohen Hocker; das Standknie bleibt leicht gebeugt.
- Der Spielfuß hält einen gedachten Ball gegen das Schienbein; die Sohleninnenseite zeigt nach vorn, die Zehen nach außen.
- Kopf, vordere Hand und Standfuß liegen auf einer Linie, der Blick geht über die vordere Hand.
Die Rückseite des Körpers lehnt wie an einem Baum oder einer Wand. In der Vorstellung umfasst die Vorderseite diesen Baum zugleich — man steht mit ihm verschmolzen.
Sechs Richtungen, ein Baum
Die Kraftsuche (Mo Jin) folgt demselben Schema wie im Hunyuan Zhuang: eine Hauptrichtung, zwei Nebenkräfte, kaum sichtbare Bewegung, die endet, sobald sie spürbar wird. Jede Richtung hat ihr eigenes Baumbild:
- Vor: sanft gegen den Baum drücken. Zurück: ihn mit zurückziehen.
- Öffnen: der Baum reißt zu einem feinen Spalt. Schließen: den Spalt schließen, ohne zu überziehen.
- Auf: den Baum mit hochziehen, bis der Boden Risse bekommt. Ab: ihn zurückpflanzen, die Risse heilen.
Erst wenn der Widerstand im ganzen Körper stark und stabil ist, wechseln die Richtungen ohne feste Reihenfolge (Da Luan Cheng Xu). Am Ende steht das gleichzeitige Gefühl aller sechs Richtungen (Liu Mian Li Tong Shi).
Häufige Fehler
- Mit Kraft drücken statt mit der Vorstellung. Die Regel lautet knapp: „用意志,不是强力" — mit dem Willen, nicht mit Stärke. Wird irgendwo Spannung spürbar, wird die Vorstellung unterbrochen, bis Muskeln und Gelenke wieder locker sind.
- Gleichgewicht durch Festkrallen. Die Standzehen dürfen beim Zurück- und Öffnen-Mojin eine leicht grabende Absicht haben — gemeint ist eine Richtung, kein Verkrampfen des Fußes.
- Das müde Bein oben halten wollen. Ermüdet das Spielbein, darf es tiefer hängen; die Vorstellung bleibt dieselbe. Die Seiten werden gewechselt.
- Zu früh einsteigen. Ohne sicheren Hunyuan Zhuang fehlt die Kraft, die hier geprüft werden soll.
Vom Stand zum Tritt
Der Weg führt über eine Vorstufe: Im 单腿一拓桩 (Dan Tui Yi Tuo Zhuang) liegt das Spielbein noch auf einer Stütze von 60–70 cm. Erst danach steht das Bein frei. Du Li Zhuang gilt in den Quellen der Yao-Linie als direkte Vorbereitung auf Tritte — gemeint sind tiefe Tritte auf kurze Distanz: Treten, Stampfen, Punkttreten gegen Knöchel und Knie (Sanshou).
Das ist im Yiquan nicht unumstritten. Peter Zhu lehnt Tritte grundsätzlich ab, weil sie zu viel Abstand bräuchten. Sein Einwand trifft hohe Distanztritte; die Yao-Linie übt gerade solche nicht.
Der Einbeinstand gehört eng zu Mocabu: beides Ausdruck des Satzes „die Wurzel liegt in den Füßen". Der Einbeinstand schult die Beinkraft im Stehen, Mocabu in der Bewegung.