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Tritttechnik

Tui Fa 腿法

tuǐ fǎ
Wer ein Bein hebt, gibt die halbe Standfestigkeit auf. Warum Yiquan trotzdem tritt — tief, kurz und fast nie ohne Kontakt.

Warum die Beine zurückstehen

Tui Fa (腿法, „Beinmethoden"; bei Yao Chengguang auch 脚法 Jiao Fa) fasst Tritte, Stampfen und Knietechniken zusammen. Sie gehören fest zum Sanshou, stehen aber hinter den Händen (Quan Fa) zurück. Der Grund ist ein Satz, der in fast allen Quellen wiederkehrt:

抬腿半边空 — „Hebt man das Bein, ist eine Seite leer."

Wer tritt, steht für einen Augenblick auf einem Bein. In diesem Augenblick fehlt die Hälfte der Standfestigkeit, auf die das ganze Yiquan-Training hinarbeitet. Ein geübter Ringer fängt ein hohes Bein leicht ab. Bo Jiacong nennt die Beintechnik deshalb ausdrücklich eine Hilfstechnik, die man „mit Vorsicht" einsetzt. Einzelne Lehrer gehen weiter und lehnen Tritte mit Berufung auf Wang Xiangzhai ganz ab. Die meisten Quellen der Linie führen sie dagegen als festen Teil des Kampftrainings, nur eben klein gehalten.

Die Regeln für jeden Tritt

Aus dem halben leeren Körper folgen Regeln, die für alle Tritte gelten:

  • Tief. Getreten wird gegen Knöchel, Schienbein und Knie, nicht gegen Kopf oder Brust. Hohe, gesprungene oder gedrehte Tritte kommen nicht vor.
  • Kurz. Das Bein geht sofort zurück, „als träte man auf eine glühende Eisenplatte". Bo Jiacong vergleicht das tastende Treten mit der Zunge einer Schlange: hinaus und wieder herein.
  • Mit Kontakt. Wenn möglich hält eine Hand den Gegner. Das gibt Halt und nimmt ihm die Chance, das Bein zu fassen. Für Knietechniken gilt das streng: 无搭不伸腿, ohne Berührung kein Bein.
  • Durchschlagen. Im Moment des Treffers spannt sich der ganze Körper; die Kraft soll bis in den Rücken des Gegners gehen, nicht an der Oberfläche enden.
  • Form gebogen, Kraft gerade (形曲力直) — wie bei der Faust. Das Bein schnellt nie ganz durch.
  • Haltung vor Treffer. Ob der Tritt sitzt, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass der Kampfrahmen dabei erhalten bleibt: Deckung oben, Oberkörper gegen den Unterkörper verschraubt.

Die Tritte

Die Quellen nennen eine kleine, immer ähnliche Auswahl:

  • 点脚 (Dian Jiao) — der tiefe Zehentritt, kaum über dem Boden, gegen Knöchel oder Fußrücken. Eher ein Tippen als ein Treten.
  • 蹬踏 (Deng Ta) — der Stampf- oder Stoßtritt nach vorn unten, gegen Knie und Schienbein.
  • 横跺脚 (Heng Duo Jiao) — der seitliche Stoßtritt mit der Fußkante, die Hüfte eingedreht.
  • 侧踢 (Ce Ti) — der Seitentritt aus dem schrägen Stand, mit der Außenkante.
  • Knie — aufwärts oder seitlich, fast nur aus dem Griff, oft verbunden mit dem Herunterziehen von Kopf oder Armen des Gegners.

Dazu kommt das Abfangen: Greift der Gegner mit dem Bein an, hebt man den Fuß quer und stoppt seinen Tritt unterhalb des Knies, bevor er Wirkung entfaltet. Einzelne Lehrer ergänzen Schnapp- und niedrige Schwungtritte, meist im Nahkampf als Feger.

Wie man sie übt

Tritte werden geübt wie jede Yiquan-Technik — erst im Stand, dann langsam, dann schnell:

  • Auf einem Bein stehen. Der Einbeinstand Du Li Zhuang ist die eigentliche Schule des Tretens. Eine Vorstufe legt das Spielbein auf eine Stütze, etwa einen nabelhohen Hocker. Das Bild dazu: hüfttief im Wasser stehen, das Bein auf einem treibenden Baumstamm.
  • Langsam prüfen (Shili). Man stellt sich Federn unter dem Fuß vor, zieht das Knie hoch und drückt die Federn langsam wieder hinunter. Eine andere Übung legt einen kleinen Sandsack auf den freien Fuß, der mit dem ganzen Körper vor- und zurückgetragen wird, ohne herunterzufallen. Gesucht wird die Spannung zwischen oben und unten (Zheng Li).
  • Schnell entladen (Fa Li). Erst im festen Stand, dann aus der Bewegung. Grundlage ist der Reibeschritt Mocabu, aus dem alle Tritte hervorgehen.
  • Mit Partner. Pratzen für Genauigkeit und Timing, der Sack für die Wucht; im Sparring zuerst ohne Kontakt.

Wie hoch?

Hier sind sich die Quellen nicht einig. Bo Jiacong lehrt in seinen Filmen durchgehend 腿不过膝, „das Bein nicht über das Knie" — gemeint ist das Knie des Gegners. Andere ziehen die Grenze an Hüfte, Taille oder Gürtel und nennen auch Rippen oder Oberschenkel als Ziel. Gemeinsam ist allen die Richtung: je tiefer, desto sicherer. Die Website legt sich deshalb nicht auf eine Zahl fest.

Gegen den Tritt

Die Abwehr folgt aus derselben Logik: Ein Tritt braucht Raum. Wer zurückweicht, gibt ihm diesen Raum; wer hineingeht und den Abstand schließt, nimmt ihn ihm. Besonders weite Schwungtritte sind langsam und kündigen sich an — gegen sie hilft das Vorgehen mehr als das Ausweichen.