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Methode

Shi Sheng 试声

shì shēng
„Die Stimme testen" — Stimme und Kraft im selben Moment ausstoßen, um die Fa Li reflexartig zu verstärken. Der Laut kommt von innen (aus Bauch/Zwerchfell), nicht als Anschreien des Gegners (Wang: „wie eine Stimme im stillen Tal, wie eine Bronzeglocke"). Genutzt werden zwei Laute — „Yi" und „You/Yao" — in drei Stufen: (1) beide einzeln, heiser und dumpf; (2) verbunden (Yi-You Tong Sheng, „als fiele ein großer Stein in einen Brunnen"); (3) ohne hörbaren Ton — nur Intention und Kraft.

Ein Laut von innen, kein Kampfschrei

Shi Sheng heißt wörtlich die Stimme testen. Gemeint ist, Stimme und Kraft im selben Moment auszustoßen. Yao Chengguang fasst es in einem Satz: „Wenn die Absicht ankommt, kommt die Kraft an — und die Stimme." Der Laut ist damit kein Zusatz zur Fa Li, sondern ihre hörbare Seite.

Wang Xiangzhai beschreibt, wie er klingen soll: „wie eine Stimme im stillen Tal, wie eine Bronzeglocke". Das ist das Gegenteil eines Kampfschreis. Der Ton kommt aus Bauch und Zwerchfell, nicht aus der Kehle, und er trägt, weil der ganze Körper hinter ihm steht. Ein Merksatz der Überlieferung zieht die Grenze: Ein Laut, der nur geschrien wird, ist dünn und leer.

Zwei Laute

  • „Yi" () beim Einatmen: Der Bauch zieht sich ein, der Atem hebt sich. Die Vorstellung dazu: Die Unterarme werden am Ellbogen angehoben.
  • „You" oder „Yao" () beim Ausatmen: Der Bauch wölbt sich vor, der Atem sinkt in den Unterbauch — „wie ein Stein, der in einen Brunnen fällt". Innen entsteht ein Gefühl des Fallens.

Beide klingen heiser und dumpf, nicht hell. Woran man merkt, dass es stimmt: Der Ton setzt im selben Augenblick ein wie die Spannung in Bauch und Rücken und der Druck des hinteren Fußes in den Boden — nicht davor und nicht danach.

Drei Stufen

1. Einzeln. „Yi" und „You" getrennt, jeder Laut etwa zwei Sekunden. 2. Verbunden (Yi You Tong Sheng). Beide Laute unmittelbar hintereinander, zusammen etwa eine Sekunde. 3. Ohne Ton. Die Laute werden nach innen genommen: Absicht und Kraft bleiben, der hörbare Ton verschwindet. Die Probe dafür ist eine Kerze nah vor dem Mund — beim stummen „You" darf die Flamme nicht flackern.

Die dritte Stufe zeigt, worum es geht. Der Laut ist ein Hilfsmittel, das die Kraftentladung bündelt, bis sie ihn nicht mehr braucht.

Wofür

  • Die Kraft sammeln. Der Laut zwingt Atem, Rumpf und Beine in einen gemeinsamen Moment. Wo sie auseinanderfallen, hört man es.
  • Treffer aushalten. Dieselbe plötzliche Rumpfspannung schützt auch beim Einstecken.
  • Den Gegner erschrecken. Ein plötzlicher Laut kann den Gegner verunsichern — eine Nebenwirkung, nicht der Zweck.

Zwei Regeln gehören dazu: nach dem Stoß sofort lösen (一发即止), damit der Körper für die nächste Bewegung bereit ist, und überwiegend weich üben, nur wenige harte Stöße (松多紧少).

Häufige Fehler

  • Schreien statt tönen. Der Laut kommt aus dem Hals und wird laut und hell. Er soll dumpf sein und von unten kommen.
  • Das Zwerchfell verkrampfen. Wird das Zwerchfell beim Stoß hart festgehalten, ist das nach der Überlieferung ausdrücklich falsch.
  • Laut und Kraft laufen auseinander. Erst der Ton, dann die Bewegung, oder umgekehrt. Dann ist der Laut nur Geräusch.
  • Nicht lösen. Nach dem Stoß bleibt die Spannung stehen, statt sofort wieder in die Entspannung zu gehen.

Wo Shi Sheng im Training steht

Hier gehen die Quellen auseinander. Bei Wang Xiangzhai und Yao Zongxun steht Shi Sheng direkt neben dem Shili, also früh, als Begleitübung zum Kraftprüfen. In Yao Chengguangs Lehrplan kommt es erst nach dem Tuishou, als vorletzter Schritt vor dem Sanshou.

Wahrscheinlich ist das kein Widerspruch in der Sache, sondern einer in der Lehrfolge: Das Prinzip gehört zum Shili, eingeführt wird die Methode aber erst, wenn Zhan Zhuang, Shili, Mocabu und Fa Li tragen.