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Methode · Stufe 6

Tuishou 推手

tuī shǒu
Die Partnerübung: aus der Berührung die Kraft des anderen erspüren und ihn kontrollieren — das Juwel des Yiquan.

Shili zu zweit

Tuishou ist die Partnerübung des Yiquan — die Stufe, auf der die in Zhan Zhuang, Shili und Mocabu entwickelte Kraft zum ersten Mal im Kontakt mit einem Menschen steht statt gegen einen vorgestellten Widerstand. Der chinesische Primärtext sagt genau das:

„Tuishou ist eine Form des Realitätstrainings im Yiquan. Es ist die konkrete Verkörperung von Shili und Zou Bu Fa Li. Tuishou kann die Schwächen des Sanshou ergänzen und ist eine Hilfsübung für das Sanshou-Training. Aus Trainingsperspektive kann man es auch als zweipersoniges Shili bezeichnen."

Diese letzte Wendung ist die brauchbarste Einordnung: Shili zu zweit. Was im Solo-Training das vorgestellte Wasser leistete, leistet hier der Partner — nur dass er nicht vorhersehbar ist.

Was geübt wird

Zwei Personen kleben, hängen, drücken, schieben, drehen und quetschen gegeneinander. Aus der Berührung heraus soll man Stärke, Schwäche und Kraftrichtung des anderen erspüren und ihn kontrollieren. Angriff und Verteidigung sind dabei keine zwei Phasen, sondern eine Bewegung.

Zum Übungsbestand gehören Dan Tuishou (单推手, einhändig) und Shuang Tuishou (双推手, beidhändig), dazu Schrittversionen, die Einbindung von Fa Li nach unten und zur Seite, Stöße mit Kopf, Schulter, Ellbogen und Knie sowie Fan Ying Xun Lian (反应训练), das Reaktionstraining. Rückkehrposition ist stets das Cheng-Bao-Dreieck.

Eine historische Verschiebung

Bei Wang Xiangzhai arbeitete man im Tuishou noch fest — ohne Schritte. Die bewegte Form mit Schrittarbeit ist eine spätere Entwicklung der Linie. Wer alte und neue Darstellungen nebeneinanderlegt, sollte das wissen, bevor er von einem Widerspruch ausgeht.

Yao Chengrong begründet in einem Unterrichtsmitschnitt, warum das Tuishou überhaupt Kampfnähe braucht. Bei den Älteren habe es im Kampf kaum beidhändiges Tuishou gegeben: Kontakt aufnehmen hieß schlagen — so wie bei Guo Yunshens Halbschritt-Berstfaust (半步崩拳). Daraus folgt sein Satz: „Der Rahmen des Stehens ist der Rahmen des Kampfes" (站桩的肩架 就是技击的肩架), die vernünftigste Position zwischen Angriff und Verteidigung. Das gewohnte Einhand-Tuishou mit den Füßen Spitze an Spitze außen taugt deshalb „als Grundübung, als Kampfübung nicht — im Kampf steht niemand still". Dieselbe Schule fasst es knapp: „Das letzte Ziel des Tuishou ist, dem Sanshou zu dienen" — Schieben und Schlagen gehören zusammen (推打相合), statt „Schieben ist Schieben, Schlagen ist Schlagen".

Das Rad: Die Hand bedroht immer die Mittellinie

Im beidhändigen Tuishou ist der erste Schritt das „Rad" (打轮): Beide drehen die Arme im Kontakt. Ein ausführlich kommentierter Mitschnitt aus derselben Schule sagt, worauf es dabei ankommt:

  • Jede Hand zielt zur Mitte. Ob sie oben, unten oder seitlich liegt — auch die seitliche Hand behält die Richtung zum Körper des anderen, mit spürbarem Druck.
  • Nicht auf die Hände schauen, sondern auf Brust und Gesicht des Partners.
  • Die Drehung ist kein Selbstzweck. Sie erkundet, wo der andere fest und wo er leer ist (了解虚实), und hält jederzeit die Kraftabgabe auf seine Mittellinie bereit.
  • „Sich nicht drehen lassen — hören" (Ting Jin). Den Arm des anderen einhaken und beiseiteführen, dann ist der Weg frei.

Zwei Fehler kehren immer wieder: zur Seite wegrutschen — dann wird der Ellbogen flach und die Hand verliert ihre Angriffskraft — und am Körper des anderen kleben, statt Abstand zu halten. Erst das Rad auf der Stelle, dann dasselbe im Gehen mit Mocabu.