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Körper · Struktur

Kua

kuà
Die Gelenkregion zwischen Rumpf und Bein — Hüftgelenk samt Leistenfalte, also die Stelle, an der sich der Körper beim Absitzen in den Stand faltet. Kein deutsches Wort trifft sie: „Hüfte" meint umgangssprachlich den Beckenkamm weiter oben, „Leiste" nur die Falte. Yao Chengguang nennt sie die große Feder: „An der Hüfte einen Stoßdämpfer anbringen — alle spätere Krafterzeugung kommt aus der Hüfte." Zugleich ist das Kua die Übergabestelle der Kraftkette: In der Gliederung 三段九节 (Drei Teile, Neun Abschnitte) erscheint es zweimal — als letztes Glied des Mittelteils und als erstes des Unterteils, also genau dort, wo die Bodenreaktion in den Rumpf wechselt. Im Stand liegen zwei der „acht Kugeln" im Kua; sichtbares Prüfmerkmal ist die Faltenlinie am Oberschenkel — erscheint sie nicht, sind bloß die Knie gebeugt. Es ist über die Rückseite mit Ming Men gekoppelt (Ming Men öffnen öffnet das Kua), liegt in den Seitständen (Ji Ji Zhuang) tiefer als in den Frontständen und trägt im Fa Li eine eigene Kraftrichtung, Kua Fali. Anders als Dan Tian oder Ming Men war es nie mystisch aufgeladen — es ist von Anfang an mechanisch beschrieben (→ Entmystifizierung).

Warum das chinesische Wort stehen bleibt

Das Kua ist die Gelenkregion zwischen Rumpf und Bein: Hüftgelenk samt Leistenfalte, also die Stelle, an der sich der Körper beim Absitzen in den Stand faltet. Der Begriff steht in fast jeder Haltungskorrektur des Yiquan, hat im Deutschen aber keine saubere Entsprechung. „Hüfte" meint umgangssprachlich den Beckenkamm weiter oben, „Leiste" nur die Falte. Deshalb bleibt hier das chinesische Wort stehen.

Daneben steht 髋关节 (kuān guānjié), das anatomische Hüftgelenk. Beide Begriffe tauchen in den Quellen der Linie in einem Atemzug auf — das ist kein Widerspruch, sondern Arbeitsteilung: 胯 benennt, wo man hinfühlt, 髋关节, was sich dabei bewegt.

Die Feder

Das durchgehende Bild der Yao-Chengguang-Materialien ist die große Feder im Kua:

„Beim Stehen sagten wir: an der Hüfte (胯) einen Stoßdämpfer, also eine große Feder, anbringen. An dieser Stelle, im Bereich der Leiste (裹胯), muss man bis zu einem gewissen Grad beugen."

Daraus folgt eine Aussage über die Kraftausgabe, die weit über die Haltung hinausgeht: „Die Schlagkraft sollte man von dieser Seite erforschen, nicht als bloßes Geradeaus-Hin-und-Her." Kraftbahnen sind kreis- oder ellipsenförmig, nicht linear — Fa Li arbeitet mit dem Vibrieren der gestauchten Hüftfeder, nicht gegen sie.

Damit ist das Kua die körperliche Adresse dessen, was Zheng Li und Actio und Reactio mechanisch beschreiben: die Bodenreaktion wird nicht durchgereicht, sondern zwischengespeichert und zurückgegeben.

Die Nahtstelle

In der Gliederung der Drei Teile, Neun Abschnitte (三段九节) taucht das Kua zweimal auf: als letztes Glied des Mittelteils und als erstes des Unterteils. Diese Doppelnennung ist der Punkt. Das Kua ist die Übergabestelle, an der die Kraft aus dem Boden in den Rumpf wechselt. Passend dazu nennen die äußeren Drei Harmonien ausdrücklich das Paar 肩与胯, Schulter und Kua (→ Sechs Harmonien).

Im Stand

Von den acht vorgestellten Kugeln der Formel 抓八个球 liegen zwei im Kua, eine weitere in der Leiste — mehr als an jeder anderen Stelle außer Achseln und Handflächen. Das Prüfmerkmal beim Body Scanning ist die Faltenlinie am Vorderschenkel: sie zeigt, dass das Kua tatsächlich gefaltet ist und nicht bloß die Knie gebeugt sind. Das Bild dazu: das Kua sitzt auf einem gerundeten Baumstamm, das Gesäß auf einem hohen Stuhl.

In den Seitständen (Ji Ji Zhuang, Maodun Zhuang) liegt das Kua tiefer als in den Frontständen, und das Gewicht steht hauptsächlich auf dem hinteren Bein.

Nicht nur Durchgang

Das Kua ist auch Endglied. Yao Zongxun ausdrücklich: „Ob Kopf, Hand, Rumpf, Fuß, Ellbogen, Knie oder Kua — jeder beliebige Körperteil kann zur Schlagwaffe werden." Entsprechend führt der Fa-Li-Kanon eine eigene Kraftrichtung aus dem Kua, neben Kopf, Schulter, Ellbogen, Hand und Knie.