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Anatomie · Hintergrund

Sehnen

Sehne, Faszie und Knochen bestehen aus demselben Kollagen. Daraus folgt, warum das Yiquan langsam übt — es ist keine Stilfrage.

Anatomischer Hintergrund, kein Yiquan-Begriff

Die Sehne verbindet den Muskel mit dem Knochen; Ausnahmen sind Zwischensehnen zwischen zwei Muskelbäuchen und Ansätze an Faszien. Sie besteht aus kollagenen Fasern — hauptsächlich Kollagen Typ I — in straffem Bindegewebe. Flache Muskeln enden in Aponeurosen, andere in strangförmigen Sehnen; die Achillessehne hält über eine Tonne Zugbelastung aus.

Wie bei den Faszien gilt: Das ist Hintergrund, nicht Lehre. Zwei Befunde zählen allerdings unmittelbar fürs Training.

Erstens: Es sind nicht vier getrennte Dinge

Sehnen können auch an Faszien ansetzen, und beide bestehen primär aus Kollagen Typ I — wie auch der Knochen zu 95 Prozent seiner organischen Substanz. Das gibt dem im Yiquan üblichen Gewebe-Kontinuum „Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen" eine materielle Grundlage.

Es sind nicht vier getrennte Baustoffe, sondern verschieden verdichtete Formen desselben. Die klassische Aufzählung beschreibt damit keine Kategorien, sondern ein Gefälle.

Zweitens: Sehnen regenerieren schlecht

Sehnen enthalten wenige Nerven und Blutgefäße, woraus sich eine schlechte Regenerationsfähigkeit ableitet. Sehnengewebe verzeiht Überlastung schlechter als Muskel.

Das ist der praktisch wichtigste Punkt dieser Seite. Die im Yiquan durchgängig betonte Langsamkeit — langsam und fein, keine Hast — und die Warnung vor forciertem Üben sind damit keine bloße Stilfrage und keine Geduldsprobe. Sie haben eine handfeste gewebliche Begründung: Was hier trainiert wird, baut langsamer auf und heilt langsamer als das, was man beim Training zuerst spürt.