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Anatomie · Hintergrund

Sehnen

Sehnen (lat. Tendo) verbinden den Muskel mit dem Knochen — können aber auch an Faszien ansetzen, und Sehne, Faszie sowie die organische Substanz des Knochens bestehen primär aus demselben Kollagen Typ I. Das im Yiquan übliche Kontinuum „Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen", nach dem die erste Ebene des Mo Jin tastet, beschreibt also verschieden verdichtete Formen eines Baustoffs, nicht vier getrennte Gewebe. Fürs Training zählen zwei Eigenschaften. Die Sehne ist eine Feder: Die Achillessehne trägt bis zu 35 % zur Energierückgabe bei, in der Abstoßphase kehrt nahezu die gesamte Dehnungsenergie zurück. Das gibt dem Bild vom Körper als „einer elastischen Sehne" (Song/Jin) eine physiologische Entsprechung — und dem Fa Li einen Speicher. Und sie ist trainierbar, aber träge: Zwölf Wochen isometrisches Training steigern die Sehnensteifigkeit um rund 57 %, wobei die Haltedauer entscheidet — nur 20-Sekunden-Halten wirkte, Ein-Sekunden-Impulse nicht. Messbar wird es erst nach etwa zwei Monaten, weil Kollagen langsamer umgesetzt wird als Muskelprotein. Langes gehaltenes Belasten ist damit die wirksame Reizform — also das, was das Zhan Zhuang tut. Einschränkend arbeiten die Studien mit 70–90 % der Maximalkraft, während das Stehen niederintensiv ist — Kontraktionsform und Haltedauer stimmen überein, die Intensität nicht. Als Sinnesorgan trägt die Sehne das Golgi-Sehnenorgan, das Spannung misst, während die Muskelspindel der Muskulatur die Länge misst — für das Ting Jin ist die Spannung die entscheidende Größe (→ Propriozeption). Dass Sehnen wenige Gefäße haben und deshalb schlecht regenerieren, gibt der Maxime „langsam und fein, keine Hast" eine handfeste Begründung.

Anatomischer Hintergrund, kein Yiquan-Begriff

Die Sehne verbindet den Muskel mit dem Knochen; Ausnahmen sind Zwischensehnen zwischen zwei Muskelbäuchen und Ansätze an Faszien. Sie besteht aus kollagenen Fasern — hauptsächlich Kollagen Typ I — in straffem Bindegewebe. Flache Muskeln enden in Aponeurosen, andere in strangförmigen Sehnen; die Achillessehne hält über eine Tonne Zugbelastung aus.

Wie bei den Faszien gilt: Das ist Hintergrund, nicht Lehre. Zwei Befunde zählen allerdings unmittelbar fürs Training.

Erstens: Es sind nicht vier getrennte Dinge

Sehnen können auch an Faszien ansetzen, und beide bestehen primär aus Kollagen Typ I — wie auch der Knochen zu 95 Prozent seiner organischen Substanz. Das gibt dem im Yiquan üblichen Gewebe-Kontinuum „Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen" eine materielle Grundlage.

Es sind nicht vier getrennte Baustoffe, sondern verschieden verdichtete Formen desselben. Die klassische Aufzählung beschreibt damit keine Kategorien, sondern ein Gefälle.

Zweitens: Sehnen regenerieren schlecht

Sehnen enthalten wenige Nerven und Blutgefäße, woraus sich eine schlechte Regenerationsfähigkeit ableitet. Sehnengewebe verzeiht Überlastung schlechter als Muskel.

Das ist der praktisch wichtigste Punkt dieser Seite. Die im Yiquan durchgängig betonte Langsamkeitlangsam und fein, keine Hast — und die Warnung vor forciertem Üben sind damit keine bloße Stilfrage und keine Geduldsprobe. Sie haben eine handfeste gewebliche Begründung: Was hier trainiert wird, baut langsamer auf und heilt langsamer als das, was man beim Training zuerst spürt.