Yi 意
Das namensgebende Prinzip
Yiquan heißt „Intentions-Boxen". Das Yi (意, auch Yi Nian 意念) ist damit nicht ein Prinzip unter anderen, sondern das, was dem System seinen Namen gibt und es von anderen Kampfkünsten abgrenzt. Wang Xiangzhais Position dazu ist unmissverständlich: Die wahre Kraft stammt nicht aus Muskelkrafttraining, sondern aus dem geistigen Fokus.
Gemeint ist die bewusste Lenkung der inneren Aufmerksamkeit, um die Praxis zu steuern — Körperausrichtung, Kraftrichtung, innere Spannung. Geist und Körper werden so synchronisiert, dass die körperliche Aktion Ausdruck des geistigen Willens ist.
Wo es überall auftritt
Yi durchzieht alle Stufen des Leitfadens, nicht eine bestimmte:
- Im Zhan Zhuang erzeugen mentale Bilder die feine innere Spannung: ein Ballon zwischen den Händen, bis zur Taille im Wasser stehen, einen Baum umarmen.
- Im Shili und im Mo Jin lenkt die Widerstands- oder Wasservorstellung die Kraftrichtung.
- In der Heilanwendung werden gezielte Vorstellungen je nach Beschwerdebild eingesetzt.
Eng verbunden ist Yi mit der Entspannung — sie löst die Blockaden, gegen die die Vorstellung sonst arbeiten müsste — und mit dem Ziel der Hun Yuan Li.
Zwei Betriebsarten
Yu Yong Nian ordnet die mentale Aktivität im Stand in zwei Kategorien, was die verbreitete Vorstellung von „einfach entspannen" korrigiert:
- Kontrolle — für Anfänger: Entspannung kultivieren, zufällige Gedanken zurückstellen. Das ist die Betriebsart für die medizinische Anwendung.
- Exzitation — für körperlich Gesunde: Ruhemuskeln gezielt kontrahieren und entspannen, die Trainingsintensität steigern.
Die Vorstellungsarbeit ist also nicht durchweg beruhigend. Sie kann ebenso gut Aktivierung sein — welche Betriebsart passt, hängt vom Übenden ab, nicht von der Übung.